Auch im neuen Jahr geht die Diskussion um eine bedarfsorientierte sowie finanzierbare Gesundheitsversorgung im Landkreis Regen weiter. Und schon jetzt zeigt sich der Mehrwert dieses bayernweiten Pilotprojekts: Die öffentliche Diskussion innerhalb eines Bürgerdialogs bringt unschätzbar wertvolle Perspektiven in den Entscheidungsprozess ein, die sonst außen vor blieben.
Das Ziel besteht darin, die zukünftige Patientenversorgung aktiv mitzugestalten und sicherzustellen, dass allen Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises medizinische Angebote mit hoher Qualität und guter Erreichbarkeit zur Verfügung stehen. 60 von ihnen standen am Ende einer Zufallsauswahl für den Bürgerdia-log, der im vergangenen November begann. Seither bekamen die Teilnehmer an drei Terminen Infos von Experten des jeweiligen Fachgebiets aus erster Hand, um sich selbst besser eine Meinung bilden zu können. So auch am Mittwoch, den 14.01.2026, in der Realschule in Regen.
Auf bereits behandelte Themenschwerpunkte wie die allgemeinen Herausforderungen des Gesundheitswesens sowie die Notfallversorgung und Aspekte der stationären Behandlungsmöglichkeiten in den Arberlandkliniken folgten nun die ambulanten Leistungsangebote. Stellvertretend für das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Arberlandkliniken referierte Geschäftsführer Andreas Probst. Er stellte die Leistungen der Medizinischen Versorgungszentren an den Standorten in Zwiesel, Viechtach, Regen und Aldersbach vor und erläuterte das vielfältige Spektrum – von der Anästhesiologie über die Kinder- und Jugendmedizin bis zur Neurochirurgie. Zugleich betonte er, dass die Versorgung damit in den betroffenen Gebieten aktuell zwar noch ausreichend gedeckt sei, die Finanzierbarkeit und bürokratische Komplexität dies jedoch teilweise erschwere.
Die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle
Dr. Florian Höllein berichtete über den Alltag in seiner Hausarztpraxis. Der Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin und Akupunktur betreibt seit 2022 eine Einzelpraxis mit angestellten Ärzten in Regen. Er ging auf die allgemeine Situation der niedergelassenen Haus- und Fachärzte im Landkreis ein und schilderte zugleich persönliche Herausforderungen. „Manchmal muss ich neue Patienten ablehnen, auch wenn es unbedingt vermeiden will.“ Und das trotz einer Vielzahl an angebotenen Termin- und offener Sprechstunden. Der Andrang sei dann einfach zu groß. Problematisch sei dies vor allem auf dem Gebiet der Physio-, Logo-, Ergo- und Psychotherapie. „Hier herrschen teils lange Wartezeiten auch bei dringender Behandlungsnotwendigkeit.“ Zugleich machte er den Teilnehmern deutlich, dass deutlich mehr Facharzttermine vermieden werden könnten, wenn man sich zuerst in Vertrauen an seinen Hausarzt wende. Die Zusammenarbeit mit den fachärztlichen Kollegen laufe in der Regel reibungslos.
Angestellt statt eigenständig: Die Prioritäten haben sich verschoben
Ausufernde Bürokratie, hohe Personalverantwortung, viele technische Neuerungen und komplexe Abrechnungssysteme begleiten nicht nur Dr. Höllein bei seiner Arbeit. Und das hat Folgen für den gesamten Berufsstand: Immer mehr Ärzte entscheiden sich gegen die Selbständigkeit und für eine Anstellung in einem MVZ oder einer Einzelpraxis. Vor allem ausschlaggebend sei in diesem Kontext das Stichwort Work-Life-Balance, wie Lisa Mohr und Adam Hofstätter von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) in ihrem Vortrag erklärten. Der Beruf solle das Privatleben nicht dominieren und genau darauf legten immer mehr Ärzte besonderen Wert. Beide gingen zudem auf die allgemeine Regulatorik der Bedarfsplanung ein – also wie viele Ärzte für ein regionales Gebiet für ein bestimmtes Fachgebiet vorgesehen sind – und erläuterten die aktuelle Versorgungssituation. Dem Landkreis Regen attestierten sie dabei ein positives Gesamtbild. Dennoch gebe es gerade aufgrund der Altersverteilung der Hausärzte einen mittelfristigen Bedarf an hausärztlichen Nachwuchskräften.
„In Deutschland sind so viele Ärzte tätig wie noch nie“, führte Hofstätter weiter aus. Was zunächst erfreulich klinge, bedeute aber nicht automatisch mehr Zeit, die der Behandlung eines Patienten zugutekommt. Denn zum Gesamtbild gehörten auch eine hohe Zahl an Teilzeitkräften und zeitraubende bürokratische Dokumentationspflichten.
Am Ende wurde das Gehörte wiederum von den Bürgern in Kleingruppen diskutiert und die gemeinsam erarbeiteten Standpunkte festgehalten. Die Ergebnisse jedes Gesprächsabends werden fortlaufend gesammelt und sollen am Ende helfen, eine Handlungsempfehlung auszuarbeiten. Schon am Montag, den 19.01.2026, geht es in die nächste Runde des Bürgerdialogs. Die Themen Landkreishaushalt, Wirtschaftlichkeit, Investitionen und Personal stehen dann im Raum, bevor Anfang Februar der vorläufige Abschluss des Projekts ansteht. Diskutiert werden sollen die Meinungen aber auch darüber hinaus – um dort gehört zu werden, wo in diesem Jahr noch wichtige politische Entscheidungen anstehen. Die konkreten Empfehlungen sollen im März in den Verwaltungsrat der Arberlandkliniken eingebracht werden; im Mai bekommen die Bürger dann zusätzlich die Möglichkeit, im Kreistag des Landkreises Regen ihre Perspektiven darzulegen. Schließlich sollen die Ergebnisse auch an die politische Landes- und Bundesebene weitergegeben werden.
Zum Vortrag: Ambulante Versorgung
Zum Vortrag: Hausärztliche Versorgung
Zum Vortrag: Versorgungssituation KVB




