„Sieht doch alles gut aus“, mag sich so mancher Patient denken, der die Arberlandklinik Zwiesel betritt. Klar, der Betrieb läuft rund um die Uhr, und das an jedem Tag im Jahr. Doch einiges bleibt Besucherinnen und Besuchern verborgen: Kabelschächte, Stromkreisläufe und Maschinen in den Arbeits- und Technikräumen sind die „Lebensadern“ des Hauses, die täglich ihren Dienst verrichten. Und diese Adern haben inzwischen ein teilweise beträchtliches Alter erreicht – umgeben von einer Gebäudehülle, die nicht mehr oder nur äußerst schwer zu sanieren ist. „2029 können wir 100-jähriges Bestandsjubiläum feiern“, sagt Armin Weinberger, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstand der Arberlandkliniken, vor einer Gruppe von Kreistagsmitgliedern. Diese hatten die Möglichkeit, sich an zwei Terminen selbst ein Bild vom Zustand der Arberlandklinik Zwiesel zu machen.
In einem Vortrag erfuhren sie zunächst von der letzten Generalsanierung, die bereits weit mehr als 20 Jahre zurückliegt. Und von ständigen Erweiterungen und Anbauten, die „angestückelt“ wurden – vom Personalwohnheim bis zum OP-Trakt. Schon 2018 gab der Kreistag des Landkreises Regen den Startschuss für die Untersuchung einer kompletten Sanierung beziehungsweise einen Neubau der Arberlandklinik Zwiesel. Eine entsprechende Zielplanung wurde 2021 an das bayerische Staatsministerium gegeben und 2022 auf Wunsch des Ministeriums nochmals angepasst. „Trotz mehrfacher Nachfrage gab es keine Rückmeldung, bis Corona und die Krankenhausreform kamen“, führt Weinberger aus. Schließlich forderte das Ministerium ein Strukturgutachten, das offenbarte: Die Zukunft liegt womöglich in einem Zentralklinikum im Landkreis.
Es fehlt vor allem in der Pflege an dringend benötigter Fläche
Anschließend nahm Georg Kronschnabl, Leiter Technik und Bau an den Arberlandkliniken, die Mitglieder des Kreistags mit auf einen Rundgang durch die Zentrale Notaufnahme, den Endoskopiebereich und verschiedene Technikräume. „Uns fehlen auf den Pflegestationen rund 900 Quadratmeter Fläche, die wir aus betriebswirtschaftlicher, logistischer und patientenfreundlicher Sicht dringend bräuchten“, erzählt Kronschnabl. Dazu kommen Kabelschächte, die in ihrer Höhe zu niedrig angesetzt seien und nicht mehr erweitert werden könnten. Wollte man die Stromversorgung bei einer Sanierung erneuern, könnte der geltende Bestandsschutz nicht wiederhergestellt werden. Auch bei den Geschosshöhen ergebe sich aus heutiger Sicht ein erhebliches Defizit: Pro Stockwerk wären in etwa 70 bis 100 Zentimeter mehr nötig, um adäquate Lüftungskanäle auf dem Stand der heutigen Technik zu integrieren. „Ich kann aus bautechnischer Sicht vieles machen, aber keine Rohbaudecken verändern“, fasst Kronschnabl zusammen.
Respekt für das Technikteam
Und wie haben die Gäste die Führung erlebt? „Interessant und aufschlussreich“, sagt Wolfgang Stoiber. „Mir war bekannt, dass die Substanz nicht besonders gut ist. Aber dass es in Teilen noch schlechter ist, hat mich schon überrascht“, meint Agnes Brücklmayer. „Respekt an das Technikteam, das das Gebäude weiter erhält und für einen funktionierenden Betrieb sorgt“, sagt Konrad Mühlbauer. Und ergänzt: „Ich denke wir sind uns einig, dass wir neu bauen müssten – allerdings wird die Finanzierung aus meiner Sicht noch ein mögliches Problem sein.“
Genau hierzu laufen aktuell die Planungen und Gespräche zwischen Landkreis und Arberlandkliniken auf der einen Seite, sowie dem Bayerischen Gesundheitsministerium und der Regierung von Niederbayern, um möglichst im November 2026 eine abschließende Entscheidungsgrundlage für den Kreistag zu schaffen.
