Im Gespräch mit Ärztinnen, Ärzten und dem Rettungsdienst

Die Auswirkungen der Krankenhausreform werden immer konkreter und treffen nun deutschlandweit auf die Versorgungssituation der Menschen vor Ort. Deutliche Veränderungen beim medizinischen Angebot werden kommen, spätestens mit Zuweisung der Leistungsgruppen durch das bayerische Gesundheitsministerium – voraussichtlich im Spätherbst 2026 mit Wirkung ab Januar 2028. Der Landkreis Regen und die Arberlandkliniken haben früh damit begonnen, die Zukunft der lokalen Kliniksituation mit einem Strukturgutachten und einem Bürgerdialog aktiv zu gestalten. Nun wurden bei zwei Informationsveranstaltungen auch der Rettungsdienst sowie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte eingebunden, um sich im gemeinsamen Gespräch mit Landrat Dr. Ronny Raith und Vertretern der Arberlandkliniken auszutauschen. Im September und Oktober 2026 wird es dann für alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit geben, sich an Infoständen und bei Diskussionsabenden zu informieren. Über allem steht die Frage, wie die medizinische Versorgung langfristig gesichert werden kann.

Heute handeln, um morgen gestalten zu können

„Wir stehen vor einem epochalen Umbruch in der medizinischen Versorgung, stationär wie ambulant. Dafür müssen wir fachlich fundierte Entscheidungen treffen und wollen Ihre Impulse aufnehmen“, machte Landrat Dr. Ronny Raith den Teilnehmern deutlich. Er betonte die Notwendigkeit der bisher getroffenen Maßnahmen und hob den Bürgerdialog als Musterbeispiel gelebter Demokratie hervor, der überregional große Beachtung finde. Zugleich informierte Raith, dass aktuell ein Funktions- und Raumprogramm erarbeitet wird, um konkretere Zahlen für die verschiedenen Szenarien vor allem aus Kostensicht geben zu können. Zur Debatte stehen nach wie vor der Neubau eines Klinikums in der Mitte des Landkreises, der Ausbau von Viechtach zum Schwerpunktversorger oder den Erhalt beider Kliniken in Viechtach und Zwiesel mit Veränderungen beim Leistungsangebot. Die Entscheidung dazu soll bei einer Kreistagssitzung am 24. November 2026 fallen.

Arberlandkliniken-Vorstand Christian Schmitz skizzierte die bisher unternommenen Anstrengungen seit Inkrafttreten des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes Ende 2024 und stellte klar: „Die Leistungsgruppen engen uns erheblich ein. Wir können nicht mehr frei über unsere medizinischen Angebote entscheiden, weil vor allem die Anforderungen an Fachärzte und verwandte medizinische Angebote am selben Standort deutlich steigen.“ Deshalb sei es wahrscheinlich, dass einzelne Leistungsgruppen schon ab Januar 2028 nur noch an einem Standort erbracht werden dürfen oder trotz Bestreben womöglich gar nicht erst zugeteilt werden. Dieser Konzentrationsprozess wurde durch die aktuelle, aber auch die vorherige Bundesregierung bewusst forciert und nun in den Bundesländern umgesetzt.

Zukunftsfähige Klinikstruktur mit umfassenden Versorgungsangeboten als Leitbild

„Wir müssen deswegen heute handeln, damit die Menschen auch morgen auf eine gute medizinische Versorgung im Landkreis Regen vertrauen können“, sagte Schmitz. Gründe seien vor allem der steigende wirtschaftliche Druck und die Gefahr, nicht mehr ausreichend Fachpersonal zu finden. Aus seiner Sicht könnte ein Klinikstandort in der Mitte des Landkreises Regen, der entlang der Verkehrsachsen B 11 und B 85 liege und schnelle Rettungswege ermögliche, die medizinische Kompetenz am besten bündeln. Denkbar wären dabei unter anderem die Realisierung der Akut- und Notfallversorgung mit einer höheren Notfallversorgungsstufe, die Verwirklichung eines regionalen Traumazentrums sowie umfassendere Versorgungsangebote wie eine interdisziplinäre Viszeralmedizin, ein Alterstraumazentrum mit Geriatrie und Frührehabilitation, eine eigene Palliativstation und eine verbesserte konsiliarische Versorgung mit Kinderheilkunde, Urologie und Nierenheilkunde. „Durch eine Bündelung von Fachkompetenz erhalten wir eine bessere medizinische Qualität. Besonders bei zeitkriti-schen Diagnosen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wäre die Erreichbarkeit für alle Bewohnerinnen und Bewohner im Landkreis am besten“, führte Schmitz aus.

Als wesentlicher Eckpfeiler wurde von den Zuhörern der Ausbau einer starken ambulanten Versorgung an den bisherigen Klinikstandorten gesehen. Viechtach und Zwiesel könnten mit entsprechenden medizinischen sowie pflegerischen Angeboten als Medizinstandorte erhalten bleiben. Höherwertige Versorgungsleistungen wie der Neubau der Endoskopie in Zwiesel sowie weitere ambulante OP-Angebote können tragende Säulen einer umfassenden Gesundheitsversorgung sein.

Medizinischen Mehrwert für alle Betroffenen schaffen

René Trabold, Sektionsleiter Neurologie an der Arberlandklinik Viechtach, unterstrich die Vorteile eines großen Klinikums. Die durchgehende Behandlung an einem Ort ermögliche eine zeitnahe Diagnostik und nahtlose Schlaganfallversorgung. Vom eingehenden Notruf bis zur Einlieferung in die Stroke Unit, von der Expertise der Neurologie bis hin zur Verlegung auf die Intensivstation und einer anschließenden Frührehabilitation könnten alle Leistungen aus einer Hand erfolgen, ebenso bei einem Herzinfarkt. Dr. med. Daniela Waldhauser, ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme in Zwiesel, sieht vor allem die Verwirklichung eines regionalen Traumazentrums zur Versorgung von Schwerverletzten als entscheidenden Vorteil. Und Doctor-Medic Ramona-Elena Brancu, Chefärztin Kardiologie an der Arberlandklinik Viechtach, ergänzt: „Vor allem Patienten in kritischem Zustand wollen wir eine Verlegung ersparen, denn auch daran sind viele Ressourcen gebunden.“

Man müsse jedoch unabhängig von der Standortdiskussion in erster Linie den medizinischen Mehrwert im Blick haben, appellierte Arberlandkliniken-Vorstand Schmitz. Moderne Medizin brauche heutzutage Spezialisierung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und ausreichend Fachpersonal. Davon könnten wiederum die einweisenden Ärztinnen und Ärzte und auch der Rettungsdienst profitieren: Die Versorgungs- und Behandlungsqualität erhöht sich dank eines langfristig gesicherten breiten Leistungsspektrums, während die Arberlandkliniken im besten Fall weiter an Attraktivität gewinnen. Für Fachkräfte und Patientinnen und Patienten bedeute dies gleichermaßen einen Gewinn. „Unser Anspruch ist es, weit mehr als nur Grund- und Regelversorgung anzubieten. Und genau das wollen wir auch in Zukunft für die Landkreisbürger tun“, sagte Schmitz.

Infostände und Bürgerversammlungen im Herbst

Auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sollen in die Diskussion um eine langfristig gesicherte Gesundheitsversorgung eingebunden werden. Zunächst wird es die Gelegenheit geben, an Infoständen mit Personal der Arberlandkliniken ins Gespräch zu kommen:

am 6. September 2026 in Zwiesel auf dem Nepomukmarkt am Stadtplatz (10 bis 17 Uhr)
am 9. September 2026 in Viechtach auf dem Wochenmarkt (8 bis 12 Uhr)
am 20. September 2026 in Regen beim verkaufsoffenen Sonntag im Einkaufspark (13 bis 17 Uhr)

Anschließend folgen im Oktober drei öffentliche Informationsveranstaltungen:

am 16. Oktober 2026 in der Stadthalle in Viechtach (18 bis 20 Uhr)
am 19. Oktober 2026 am Gymnasium in Zwiesel (18 bis 20 Uhr)
am 28. Oktober 2026 in der Realschule in Regen (18 bis 20 Uhr)

Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Vor Ort werden jeweils Vertreter der Arberlandkliniken sowie Landrat Dr. Ronny Raith den Zuhörern wertvolle Impulse geben.

Bereits im Vorfeld können themenrelevante Fragen unter 2035@arberlandkliniken.de eingereicht werden, die an den jeweiligen Infoabenden zur Sprache kommen sollen.