Bürgerdialog geht in die zweite Runde: Stationäre Leistungen, Notfallversorgung im Landkreis Regen und Strukturgutachten im Fokus

Nachdem beim Auftakt des Bürgerdialogs am vergangenen Donnerstag die aktuellen Rahmenbedingungen und allgemeinen Herausforderungen der Krankenhausreform thematisiert wurden, lag das Augenmerk diesmal vor allem auf den stationären Versorgungsangeboten in den Arberlandkliniken. Neuerliche Impulsvorträge von ausgewiesenen Experten behandelten die medizinischen Leistungen an beiden Standorten und gingen zudem auf die Situation der Notfallversorgung im Landkreis Regen ein. Auch erste Inhalte des Strukturgutachtens wurden vorgestellt, welches die Grundlage für eine zukunftsfähige Versorgungssicherheit bilden soll.

Veranstaltungsort war diesmal die Realschule in Regen, in die 60 vorher zufällig ausgewählte Teilnehmer am Dienstag, den 25.11.2025, eingeladen waren. Landrat Dr. Ronny Raith richtete ein kurzes Grußwort an die Gäste und freute sich, dass diese wieder zahlreich erschienen waren.

Erster Referent des Abends war Dr. Günther Schmerbeck, Ärztlicher Direktor an der Arberlandklinik in Viechtach. Er verschaffte den Anwesenden zunächst einen Überblick über die Kapazitäten in der stationären Versorgung und führte aus: „In beiden Krankenhäusern können wir aktuell jeweils 166 Betten zur Verfügung stellen.“ Diese seien auch regelmäßig zu einem hohen Prozentsatz ausgelastet und würden für die ausgewiesenen Fachrichtungen beansprucht. Das betreffe jeweils die Chirurgie, Innere Medizin sowie HNO an beiden Standorten und in Zwiesel zusätzlich die Gynäkologie und Geburtshilfe. Weil sich etwa im Bereich der Urologie, Kinder- und Jugendmedizin oder Augenheilkunde eigenständige Abteilungen aufgrund einer zu niedrigen Fallzahl nicht lohnen würden, erfolge durch das Gesundheitsministerium eine Bündelung dieser Kompetenzen meist an größeren Kliniken. Bei der Vorstellung der praktizierenden Ärztinnen und Ärzte an den Arberlandkliniken sprach Schmerbeck vom Glück, derzeit sämtliche zentrale Stellen mit hochqualifizierten Expertinnen und Experten besetzen zu können. Die Abteilungen in den Arberlandkliniken seien top aufgestellt, auch wenn es aufgrund des Fachkräftemangels immer schwieriger werde, den Bedarf entsprechend zu decken.

Angesprochen auf die sogenannten Leistungsgruppen, die im Zuge der Krankenhausreform eine verstärkte Bündelung von Ressourcen erfordern, sagte Arberlandkliniken-Vorstand Christian Schmitz: „Wir müssen künftig durchgehend hohe Kriterien in puncto fachärztlichem Personal, medizinischer Ausstattung und Mindestfallzahlen erfüllen, um bestimmte Leistungen überhaupt anbieten zu können. Das schränkt die Freiheit unseres medizinischen Angebots teils stark ein, weshalb wir Synergien konzentrieren müssen.“ Ergänzend gab Schmitz den Bürgern ein Verständnis vom Krankenhausplan des Freistaates und erklärte die Unterschiede zwischen Grund-, Schwerpunkt- und Maximalversorgung. Darüber hinaus erfuhren die Zuhörer von der Herkulesaufgabe, zusätzlich verpflichtenden Ansprüchen in immer größerem Umfang gerecht zu werden. Das betreffe vor allem Personal- und Strukturvorgaben, die durch Qualitätssicherungsrichtlinien und geforderte Mindestmengen immer weiter in die Höhe geschraubt würden.

Vom Smartphone bis zum Telenotarzt: Erste Hilfe kennt viele Möglichkeiten

Christian Ernst, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Bereich Straubing, informierte anschließend über die Notfallversorgung im Landkreis Regen. „Der Rettungsdienst hat in der Regel zwölf Minuten Zeit, um beim Patienten zu sein – ob mit dem Rettungswagen, per Hubschrauber oder Notarzteinsatzfahrzeug“, erklärte er. Ein schnelles Erreichen des Einsatzortes, eine kurze Verweildauer am Ort und kurze Transportwege zur weiteren Therapie seien die maßgeblichen Kriterien, die generell erfüllt werden müssten. Auf Karten zeigte er den Gästen zentrale Standorte der Versorgungsstruktur sowie den abzudeckenden Versorgungsbereich über die Landkreisgrenzen hinaus. Er hob die Bedeutung des Telenotarztes in Ostbayern hervor, der die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrückt, und künftig sukzessiv an weiteren Orten verfügbar sein soll. Vor allem bei Herz-Kreislauf-Stillständen sei die zusätzliche Anweisung von Ersthelfern per Smartphone eine ebenso wünschenswerte Vorstellung. „Die ersten Minuten entscheiden über Leben und Tod“, verdeutlichte Ernst. Deshalb müsse eine zügige Erreichbarkeit gewährleistet sein, die es bei weiteren Überlegungen bezüglich der Krankenhausreform zu bedenken gebe. Simulationen verdeutlichten, wie es dabei um die jeweilige Zeitspanne in den einzelnen Gemeinden des Landkreises bestellt wäre.

Strukturgutachten offenbart bevorzugte Lösungen bei der künftigen Standortfrage

Mike Angelkorte, Vivian Hölzner und Claudia Schmitz vom Institute for Health Care Business (HCB) diskutierten mit den Bürgern in Kleingruppen die Ergebnisse des Strukturgutachtens im Rahmen der „Gesundheitsstrategie ARBERLANDKliniken 2035“. Dieses wurde vom Landkreis im April 2025 frühzeitig in Auftrag gegeben, um weiterhin Förderungen bei Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur durch den Freistaat zu erhalten. Das Gutachten analysiert Szenarien für künftige stationäre sowie ambulante Angebote. Ziel ist die Entwicklung eines Konzepts zum Erhalt und der Stärkung einer qualitativ hochwertigen und wohnortnahen medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Vornehmlich berücksichtigt wurden dabei die medizinische Versorgungsqualität im Landkreis Regen, das Maß der Zukunftsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit.

„Unter dem Aspekt einer bedarfsorientierten und finanzierbaren Gesundheitsversorgung kommen drei realistische Optionen infrage“, führte Hölzner aus: der Erhalt beider Standorte mit weiteren Optimierungen, eine Schwerpunktbildung medizinischer Leistungen in je unterschiedlicher Ausprägung an den bestehenden Standorten oder der Neubau eines Krankenhauses zentral im Landkreis Regen. Bei letzter Möglichkeit könnten etwa stationäre Leistungen in einem neuen Gebäude angeboten werden, während die Räumlichkeiten in Viechtach und Zwiesel ergänzend als Anlaufstellen für ambulante Eingriffe, Arztpraxen oder Apotheken dienen könnten. Hölzner erläuterte die Vor- und Nachteile für jeden Fall und zeigte mögliche Wege der Umsetzung auf. Gleichzeitig machte sie deutlich: „Viechtach und Zwiesel sind bedarfsnotwendig und erhalten für bestimmte Fachabteilungen finanzielle Sicherstellungszuschläge.“ Das ermögliche eine Fortführung des Betriebs gerade in ländlichen Regionen, wo aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte Strukturen nicht kostendeckend betrieben werden könnten.

Ebenso wurde gemeinsam diskutiert, welche stationären Leistungen die Arberlandkliniken in Zukunft anbieten sollten, um eine zuverlässige Patientenversorgung bei hoher Qualität zu gewährleisten. In Bezug auf künftige Leistungsgruppen und deren Anforderungen sagte Angelkorte: „Viele von ihnen können künftig sowohl in Viechtach als auch in Zwiesel angeboten werden. Allerdings stellen mögliche Doppelstrukturen und die Suche nach ausreichend Fachärzten große Herausforderungen dar.“ Schon jetzt würden bei speziellen und nicht zeitkritischen Erkrankungen Kooperationen mit anderen Krankenhäusern angeboten. Das mache eine längere Anfahrt eher vertretbar, während es bei akuten Notfällen wieder anders abzuwägen gelte. Wie sich der stationäre Pflegebedarf weiter entwickeln werde, hänge dem Experten zufolge von Faktoren wie der Demographie oder dem verstärkten Ausschöpfen ambulanter Leistungen ab.

Nach einer kurzen Pause kommen die Teilnehmer des Bürgerdialogs wieder am Mittwoch, den 14. Januar 2026, zum dritten von insgesamt fünf Diskussionsabenden zusammen. Dann wird erörtert, welche Wechselwirkungen es zwischen ambulanter haus- und fachärztlicher Versorgung sowie der Klinikversorgung im Landkreis Regen gibt.

Zum Vortrag: Stationäres Versorgungsangebot
Zum Vortrag: Notfallversorgung- und strukturen im Lkr. Regen
Zum Workshop: Arbeitsphase zweiter Termin