Auftakt zum Bürgerdialog: 60 Teilnehmer aus dem Landkreis Regen diskutieren mit Experten über die Zukunft der Gesundheitsversorgung

Im Januar 2025 trat die vom Bundestag beschlossene Krankenhausreform in Kraft. Der Landkreis Regen stellt sich den künftigen Herausforderungen: Als erster bayerischer Kreis bezieht er seine Bürger aktiv mit ein, um das Gesundheitswesen von morgen in Diskussionen mitzugestalten. Das Ziel der fünfteiligen Veranstaltungsreihe soll es sein, neue Perspektiven aufzuzeigen, wie ein zukunftsfähiges, medizinisches Leistungsangebot der Arberlandkliniken in der Region aussehen kann. Am Donnerstag, den 20.11.2025, fiel um 18 Uhr der Startschuss dafür.

Zu Beginn der Veranstaltung hieß Landrat Dr. Ronny Raith die Gäste willkommen, die sich in der Volkshoch-schule Arberland in Regen eingefunden hatten. Er bedankte sich für die Bereitschaft, bewusst den Dialog zu suchen – was keineswegs selbstverständlich sei. „Sie alle sind Pioniere – das verdient Anerkennung und Respekt, denn es kommt auf jeden Einzelnen an.“

Raith betonte, wie wichtig eine unvoreingenommene Sichtweise für den weiteren Entscheidungsprozess sei. „Wir binden die Bevölkerung an dieser Stelle bewusst ein, um verschiedene Meinungen zu hören und Bedürfnisse besser zu verstehen.“ Sein Ziel: Den Bürgern ein Verständnis davon geben, auf welcher Grundlage bestimmte Entscheidungen getroffen werden, um diesen Prozess nachvollziehen zu können.

Insgesamt 3.006 Personen aus allen Kommunen des Landkreises Regen wurden zufällig angeschrieben, um am Bürgerdialog teilzunehmen. 167 Interessierte meldeten sich zurück und damit weit mehr als die vorgegebene Zielgröße von maximal 60 Teilnehmern. In einer weiteren Zufallsauswahl wurde letztlich die abschließende Gruppenzusammensetzung ermittelt. Im Hinblick auf Alter, Geschlecht und der regionalen Herkunft wurde versucht, einer möglichst hohen Repräsentativität gerecht zu werden.

Maximale Transparenz: Vorträge zu Strukturen und Herausforderungen geben authentische Einblicke

Anlässlich der ausgerufenen „Gesundheitsstrategie ARBERLANDKliniken 2035“ lag der Schwerpunkt beim ersten Bürgerdialog auf den aktuellen Rahmenbedingungen und allgemeinen Herausforderungen. Arberlandkliniken-Vorstand Christian Schmitz informierte zu den bisherigen bzw. künftig geplanten Modernisierungsmaßnahmen in Viechtach und Zwiesel und stellte verschiedene Szenarien betreffend der Standorte vor. Er gab den Bürgern belastbare Zahlen zur Auslastung der Häuser an die Hand und veranschaulichte die Entwicklung der wirtschaftlichen Situation. Zum Standpunkt des Landkreises sagte er: „Die Arberlandkliniken haben absoluten Rückhalt aus der Politik.“

Um eine erweiterte faktenbasierte Grundlage für die Diskussion zu schaffen, gaben Experten aus der Gesundheitsbranche den Zuhörern wertvolle Einsichten. Mike Angelkorte, Annika Emde und Claudia Schmitz vom Institute for Health Care Business (HCB) skizzierten in Impulsvorträgen elementare gesellschaftliche Umbrüche und sprachen von einem „Epochenwandel“. Immer mehr Vorschriften und Vorgaben, Personalmangel in einer alternden Gesellschaft sowie finanzielle Probleme belasteten Krankenhäuser stärker denn je. „Bei den Ausgaben für das Gesundheitswesen sind wir in Europa ganz vorne dabei, schneiden bei der Lebenserwartung aber nicht besonders gut ab“, brachte es Claudia Schmitz auf den Punkt. Und sie machte klar: „Wenn sich nichts an der Situation ändert, werden die Sozialabgaben dramatisch weiter steigen und die Defizite im Gesundheitssektor immer größer.“

„Wir müssen die Gesundheitsversorgung völlig neu denken“, führte Claudia Schmitz weiter aus. Mit der Krankenhausreform und dem zugrundeliegenden Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) wurde dieser Prozess angestoßen, den es nun umzusetzen gelte. Im Kern strebe die Reform eine weitergehende Zentralisierung mit effizienteren Strukturen an. Größere Einrichtungen könnten Vorgaben besser erfüllen und eine enge Zusammenarbeit von mehreren Fachrichtungen anbieten. Das ermögliche eine bessere medizinische Ausstattung dank Spezialisierung und verlässliche Hilfe im Notfall.

Bürger teilen in Gesprächen offen ihre Sorgen und Erwartungen  

Im Anschluss kamen die 60 Teilnehmer in Kleingruppen zusammen, um sich untereinander auszutauschen. Dabei wurden Erwartungen und Ziele in Bezug auf den Bürgerdialog formuliert sowie persönliche Sorgen und Bedenken geäußert. Vom Aufrechterhalten einer hohen Versorgungsqualität bis zur generellen Bedeutung der Arberlandkliniken für den ländlichen Raum reichte die Themenvielfalt. Ob eine mögliche Konzentration medizinischer Fachabteilungen oder die künftige Standortfrage – es gab keine Tabus. Am Ende der gut dreistündigen Versammlung standen erste Schwerpunkte, die nun in weiteren Diskussionen vertieft werden sollen.

Bis Februar 2026 finden vier weitere Workshops statt, bei denen die Landkreisbürger wieder die Möglichkeit haben werden, in Gespräche mit geladenen Referenten zu treten. Der nächste Termin ist bereits am Dienstag, den 25.11.2025, um 18 Uhr in der Realschule in Regen. Die ausgearbeiteten Empfehlungen werden schließlich gesammelt an Entscheidungsträger auf Kreis-, Landes- und Bundesebene herangetragen. Mit dem Rückhalt der Bürger soll so gemeinsam ein tragfähiges Zukunftskonzept für eine bedarfsorientierte und finanzierbare Gesundheitsversorgung durch die Arberlandkliniken im Landkreis Regen entstehen.

Zum Vortrag: Rahmenbedingungen und Herausforderungen (bundesweit)
Zum Vortrag: Rahmenbedingungen und Herausforderungen (lokal)