Die Krankenhausstrukturreform verändert Deutschlands medizinische Landschaft. Auch die Kliniken in Viechtach und Zwiesel bleiben davon nicht unberührt. Ein vom Landkreis Regen beauftragtes Gutachten des Institute for Health Care Business (hcb) aus Essen empfiehlt im Rahmen der „Gesundheitsstrategie ARBERLANDKliniken 2035“ weitreichende Änderungen. Der unabhängige Gutachter untersuchte verschiedene Szenarien der regionalen Gesundheitsversorgung und schlägt den Neubau eines Zentralklinikums nahe der Bundesstraße 85 zentral im Landkreis vor.
Die Bundesreform zielt darauf ab, die Zahl der Krankenhausstandorte zu reduzieren, um den Rekorddefiziten der Krankenkassen zu begegnen. Die Länder halten sich bei Investitionsfördermitteln zurück. Während die Erlöse der Krankenhäuser stagnieren, steigen die Ausgaben. Regional soll die Reform medizinische Schwerpunkte setzen, ambulante Angebote ausbauen und die telemedizinische Vernetzung stärken. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit bewertet den Neubau der Arberlandklinik Zwiesel als wenig zukunftsweisend und stellt aktuell keine Fördermittel bereit, weshalb alternative Lösungen nötig sind.
Die bayerische Staatsregierung strebt weiterhin eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum an. Neben größeren Kliniken spielen kleinere Krankenhäuser eine zentrale Rolle. Sie sollen erhalten oder zu modernen, wirtschaftlich tragfähigen Leistungserbringern entwickelt werden. Ein Förderprogramm unterstützt Strukturgutachten zur Bewertung der regionalen Versorgung und zur Identifikation von Handlungsoptionen. Landkreis und Arberlandkliniken beauftragten ein solches Gutachten im April 2025, um Förderungen für Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur zu sichern.
Das Unternehmen hcb erstellte das Strukturgutachten, dessen Geschäftsführer Prof. Dr. Boris Augurzky die Ergebnisse am Freitag, den 13. März 2026, in Regen vorstellte. Er analysierte die aktuelle Versorgungssituation im Landkreis Regen, die Zukunftsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Drei Optionen wurden weiterverfolgt: Erhalt beider Standorte mit Optimierungen, Schwerpunktbildung in Viechtach oder Neubau eines zentralen Krankenhauses.
Die größte Herausforderung bleibt die Personalgewinnung, besonders bei der Variante „Status quo“ mit Doppelstrukturen. Die Anforderungen an Krankenhäuser steigen, was eine Bündelung der Ressourcen erzwingt. Eine Schwerpunktbildung könnte die wirtschaftliche Lage durch Synergien verbessern, jedoch die Erreichbarkeit einschränken und auf weniger Akzeptanz stoßen. Die Infrastruktur in Viechtach begrenzt die Flexibilität.
Das Strukturgutachten empfiehlt den zentralen Standort als beste Lösung für Qualität, Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Leistungen der Krankenhäuser in Viechtach und Zwiesel könnten dort gebündelt werden. Der neue Standort würde 280 bis 300 Betten bieten und im Jahr 2038 etwa 12.700 stationäre Fälle behandeln. Besonders Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Innere Medizin und Chirurgie würden profitieren. Die Notfallversorgung bliebe gesichert, möglicherweise mit GBA-Notfallstufe 2. Ein Regionales Traumazentrum wäre realisierbar.
Viechtach und Zwiesel könnten bestehen bleiben, jedoch umfunktioniert werden. Viechtach würde als sektorenübergreifender Versorger mit internistischer Grundversorgung und ambulanten Eingriffen dienen. Zwiesel könnte sein MVZ mit weiteren ambulanten Angeboten aufwerten. Der zentrale Standort würde die Akutversorgung und komplexe Eingriffe übernehmen, während eine sektorenübergreifende Einrichtung stationäre Grundversorgung, ambulante Nachsorge und Therapiemaßnahmen steuert.
Das Gutachten spiegelt die Perspektive des Gutachters wider und stellt keine endgültige Entscheidung dar. Am Dienstag, den 9. Juni 2026, diskutiert der neu gewählte Kreistag die Sichtweisen, bevor am Dienstag, den 24. November 2026, eine Entscheidung über die regionale Krankenhausstruktur fällt.
Zum Vortrag: Pressekonferenz Strukturgutachten
Zum Bericht: Strukturgutachten ARBERLANDKliniken
