„Unbesetzte Notarztdienste bereiten mir Sorge“

Seit 2017 ist Oberarzt Christian Ernst der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) im Rettungsdienstbereich Straubing. Dieser umfasst neben den Landkreisen Deggendorf, Straubing-Bogen und der kreisfreien Stadt Straubing auch den Kreis Regen. Wir haben mit Ernst darüber gesprochen, wie er die vorhandene Versorgungsstruktur bewertet und welche anderen Einsatzmittel Leben retten können. Dabei zeigt sich: Rettung kennt keine Grenzen. 

 

Wie haben Sie den Bürgerdialog erlebt?
Christian Ernst: Ich finde es sehr positiv, dass man zu einem frühen Zeitpunkt die Bevölkerung mit ins Boot holt. Wir müssen gewisse Dinge jetzt ansprechen. Auch wenn es Einschnitte geben sollte, müssen diese mit der richtigen Vorbereitung nicht gleich unbedingt negative Auswirkungen haben. Krankenhausreform und Rettungsdienste sind miteinander kommunizierende Röhren: Ändert sich etwas auf der einen Seite, hat das auch Auswirkungen auf die andere Seite.

Mit welchen Sorgen und Hoffnungen blicken Sie auf die künftige Notfallversorgung im Landkreis Regen?
Christian Ernst: Die notärztliche Versorgung hat unabhängig von der Reform mit Herausforderungen zu kämpfen. Die Notarztbesetzungsquoten der beiden Standorte in Viechtach und Zwiesel sind jetzt schon nicht zufriedenstellend. Auch wenn wir aus retrospektiven Daten wissen, dass ein Notarzt nur bei rund 20 Prozent der Notarzteinsätze tatsächlich gebraucht wird, bereiten uns unbesetzte Notarztdienste Sorge. Hier können der Telenotarzt oder Notfallsanitäter in der Delegation des ÄLRD aber vieles auffangen. Vielleicht würde auch ein vollständig besetzter zentraler Standort im Landkreis die notärztliche Versorgung verbessern können, statt zweier Notarztstandorte mit Besetzungslücken. Eine zentrale Klinik wäre aus meiner Sicht auch eine gute Option für einen zentralen Notarztstandort.

Wie sieht es im Grenzgebiet zu Tschechien mit der Versorgung aus?
Christian Ernst: Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ermöglicht es uns, dass tschechische Kollegen im Notfall die Erstversorgung an der deutschen Landkreisgrenze übernehmen. Das zugehörige Einsatzleitsystem ist an den betreffenden ostbayerischen Leitstellen installiert. Notrufe werden ohne relevanten Zeitverzug automatisch übersetzt und an die zuständige Leitstelle in Pilsen weitergeleitet. Medizinische Versorgung ist trotz einer Sprachbarriere gut möglich.

Welche Rolle spielt die Luftrettung?
Christian Ernst: Die Luftrettung ist ein unverzichtbarer Teil unserer Arbeit, hier sind wir in Bayern mit am besten in Deutschland aufgestellt. Im Moment laufen etwa Gutachten zur Randzeiterweiterung mit der Überlegung, Flugzeiten im Winter zu verlängern – also nicht nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das betrifft alle Luftrettungsstandorte in Bayern, auch den in Straubing, der den Luftraum in Regen maßgeblich abdeckt. Auf österreichischem Gebiet ist ergänzend in Suben ein Hubschrauber stationiert. Bei diesem länderübergreifenden Projekt fliegt jeweils ein Pilot und eine Maschine des ADAC und des ÖAMTC für ein halbes Jahr, wobei das Rettungsteam diesem Tausch nicht unterliegt und eingespielt ist. Die Piloten aus Österreich trainieren momentan schon den Flug mit Nachtsichtgeräten, um voraussichtlich ab Mitte 2026 einen 24/7-Betrieb leisten zu können. Auch der Hubschrauber in Regensburg ist bereits jetzt 24/7 einsatzbereit. Aus Sicht der Luftrettung ist der Landkreis Regen damit jetzt schon hervorragend versorgt.

Wie ließe sich die Versorgungsstruktur im Landkreis weiter verbessern?
Christian Ernst: Aktuell wird geprüft, ob sich der Stellplatz des BRK in Bodenmais zur Rettungswache aufwerten lässt. Ich bin zuversichtlich gestimmt, mit dem Upgrade eine bessere Versorgung anbieten zu können. Ich selber fände es darüber hinaus wünschenswert, verstärkt Ersthelfer per Smartphone zu Herz-Kreislauf-Stillständen zu alarmieren und die Standorte der Feuerwehren als Defibrillatorzubringer und Ersthelfer weiter auszubauen. Diese Kapazitäten können wir sicherlich noch besser ausschöpfen.

Vielen Dank für das Gespräch.