Landkreishaushalt, Wirtschaftlichkeit, Personal: darum ging es beim vierten Bürgerdialog

Gleich zu Beginn übernahm Landrat Dr. Ronny Raith das Wort und machte klar, vor welchen finanziellen Herausforderungen der Landkreis Regen stehe. Viele Bereiche wie das Sozialwesen müssten kostentechnisch abgedeckt werden, während zugleich finanzielle Mittel in die Schulsanierung und Schuldentilgung fließen. Doch Geld sei letztlich nicht alles und nur ein Punkt bei der Gesamtbetrachtung, vor allem im Hinblick auf die regionale Krankenhausstruktur. „Es geht mir um eine gute, zukunftsorientierte medizinische Versorgung“, versicherte Raith. Um das zu erreichen, seien gerade auch die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger ausschlaggebend. Die schlechteste Variante sei es, gar nichts zu tun und die Augen vor der Zukunft verschließen. Genau deshalb müsse man jetzt aktiv das Gespräch mit den Menschen suchen und zusammen realistische Optionen ausgestalten.

Investitionsbedarf seit Jahren höher als die bereitgestellten Mittel

Armin Weinberger, Kaufmännischer Direktor der Arberlandkliniken, ging auf die Wirtschaftlichkeit im Kommunalunternehmen Krankenhaus ein. Mit dem Credo: „Bei uns sind Sie Mensch und keine Nummer. Wir arbeiten nicht auf eine Gewinnmaximierung hin.“ Am Ende gehe es darum, einen Ausgleich zwischen Kosten und Einnahmen zu erreichen, um die Versorgung langfristig sicherzustellen. Im Zuge dessen bemängelte Weinberger jedoch die aus seiner Sicht wenig zufriedenstellende Preisgestaltung im deutschen Gesundheitswesen, die sich durch einen fehlenden Inflationsausgleich oder Entgelt-Kürzungen im Milliardenbereich ergebe. Dazu komme ein regelrechter „Bürokratie-Wahn“ mit ausufernden Vorgaben. Immer höhere Ansprüche an die künftige medizinische Versorgung würden außerdem dazu führen, dass gewohnte Leistungen womöglich nicht mehr angeboten werden könnten. „Trotz guter Arbeit unserer Kliniken und weil wir pro abgerechneter Behandlung zu wenig Geld bekommen, stellt uns das vor große Herausforderungen, solide zu wirtschaften.“

Noch sind die meisten Stellen gut zu besetzen

Dass der Fachkräftemangel auch vor dem Gesundheitswesen keinen Halt mache, wusste Stephanie Blüml, Personalleitung der Arberlandkliniken, zu berichten. „Es gehen mehr Ärzte in den Ruhestand als nachfolgen, zudem ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten sehr hoch“, führte Blüml aus. Über 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien aktuell im Unternehmen tätig. Die Krankenhausreform führe nun dazu, bestimmte Abteilungen wie die Zentrale Notaufnahme (ZNA) mit noch mehr Fachärzten besetzen zu müssen – teils inklusive geforderter Zusatzweiterbildung. Ähnliches Bild im Pflegebereich: Hier regeln Vorschriften genau, wie viele Pflegekräfte zu welcher Zeit für einen Patienten verfügbar sein müssen. „Allein durch immer mehr gefordertes Personal wird die Versorgung aber nicht automatisch besser“, stellte Blüml klar. Der Mehrbedarf betreffe schließlich alle Einrichtungen, allein um die bisherige Zahl an Patienten weiterhin versorgen zu können.

Am Ende des Vortrags arbeitete Blüml noch die Wünsche der heutigen Arbeitnehmer heraus: Faire Bezahlung, gute Personalausstattung und flexible Arbeitszeiten seien Aspekte, die den Trend zur Individualisierung der Bedürfnisse unterstreichen.

Das Krankenhaus als Patient: ein System gerät in Schieflage

Weiterer Gast beim vierten Bürgerdialog war Prof. Dr. Boris Augurzky. Der Geschäftsführer des Institute for Health Care Business (hcb) warf einen Blick auf die Bundesebene und stellte fest: „Den Krankenhäusern geht es nicht gut, trotz Zuschuss der Krankenkassen.“ Diese geben Jahr um Jahr mehr Geld für Krankenhausleistungen aus; dennoch schreiben viele Krankenhäuser Verluste oder müssen zunehmend Insolvenz beantragen. Woher also rührt diese widersprüchliche Entwicklung? Augurzky macht bereits behandelte Gründe dafür aus. Krankenhäuser setzen heute weit mehr Personal pro Patienten ein, zudem hielten sich die Länder bei Investitionsfördermitteln zurück. Die Krankenkassen schreiben zudem schon jetzt Rekorddefizite. „Die Erlöse der Krankenhäuser wachsen also gebremst, die Ausgaben hingegen nicht“, fasste es Augurzky zusammen. Regional betrachtet gelte es deshalb Schwerpunkte beim medizinischen Leistungsangebot zu bilden, vermehrt ambulante Angebote zu schaffen und eine stärkere telemedizinische Vernetzung herzustellen. Der Bund hingegen müsse den Krankenhäusern wieder mehr Gestaltungsfreiheit geben, forderte Augurzky.

Am 03.02.2026 kommen die Teilnehmer des Bürgerdialogs dann noch einmal zusammen, um gemeinsam ihre Vorschläge für eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung im Landkreis Regen auszuarbeiten.

Zum Vortrag: Personalsituation
Zum Vortrag: Wirtschaftlichkeit Krankenhaus 
Zum Vortrag: Landkreishaushalt
Zum Vortrag: Wirtschaftlichkeit auf Bundes- und Regionalebene