Gemeinsam in die Zukunft schauen - Arberlandkliniken 2035
Herr Landrat, warum ist das Thema „Gesundheitsstrategie 2035“ gerade jetzt für den Landkreis Regen so wichtig?
Dr. Ronny Raith:
Die Krankenhauslandschaft in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Rahmenbedingungen für Krankenhäuser ändern sich derzeit grundlegend — gesetzlich, finanziell und strukturell. Deshalb müssen wir im Landkreis Regen jetzt vorausschauend planen, damit wir hier auch in Zukunft wohnortnahe und verlässliche Versorgung erhalten. Uns ist wichtig, dass wir diesen Prozess transparent gestalten und die Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Mit der „Gesundheitsstrategie 2035“ wollen wir bewusst in die Zukunft schauen und die Weichen stellen – im Sinne der Menschen hier im Landkreis Regen.
Herr Schmitz, was bedeutet die bundesweite Krankenhausreform konkret für die Arberlandkliniken und deren Standorte?
Christian Schmitz:
Die Krankenhausreform stellt neue Anforderungen an Strukturen und Finanzierung. Für uns heißt das: Wir müssen prüfen, welche Leistungen in Zukunft noch wirtschaftlich tragfähig sind und wo Schwerpunktbildungen oder Kooperationen nötig sind. Ich habe die Reform in öffentlichen Statements wiederholt als praxisfern kritisiert — viele Regelungen bringen Einrichtungen auf dem Land unter hohen Druck. Deshalb arbeiten wir jetzt an Konzepten, die medizinische Qualität und Wirtschaftlichkeit verbinden. Es ist zu prüfen, welche medizinischen Schwerpunkte an welchem Standort sinnvoll sind und wie wir Synergien besser nutzen können – immer mit dem Ziel einer sicheren und wohnortnahen Versorgung, jedoch immer auch die knapper werdenden Fachkräfte im Blick.
Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Menschen im Landkreis auch künftig wohnortnah und qualitativ hochwertig medizinisch versorgt werden?
Dr. Ronny Raith:
„Wir wissen, wie wichtig die Erreichbarkeit und das Vertrauen in die eigene Klinik sind. Deshalb ist unser Ziel ganz klar: Eine verlässliche, qualitativ hochwertige Versorgung in erreichbarer Nähe muss erhalten bleiben. Das kann auch bedeuten, dass wir uns stärker auf bestimmte Leistungen konzentrieren oder neue Formen der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen nutzen – entscheidend ist, dass die Menschen im Notfall oder bei Krankheit gut versorgt sind.“
Welche Veränderungen oder Weiterentwicklungen sind im Rahmen der „Gesundheitsstrategie 2035“ denkbar – und was bleibt für die Bürgerinnen und Bürger erhalten?
Dr. Ronny Raith:
„Wir denken in Szenarien – nichts wird voreilig entschieden. Die künftigen Leistungsgruppen, die den Kliniken vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention zugeteilt werden, entscheiden künftig, welche Leistungen wir in den Arberlandkliniken weiterhin kostendeckend anbieten „dürfen“.
Beide Standorte bleiben zentrale Bausteine vor allem bei der Notfallversorgung; eine mögliche stärkere Arbeitsteilung oder Schwerpunktbildung zur akuten Anpassung an die neuen Rahmenbedingungen ab 2027 wird aktuell schon angebahnt. Die weiteren Schritte und langfristigen Entwicklungen hängen stark davon ab, was wir in Zukunft noch an medizinischen Leistungen erbringen dürfen und wie Betriebs- und Investitionskosten unter den zukünftigen Finanzierungsbedingungen leistbar sind. Entscheidend wird auch sein, wie sich das Ministerium die Krankenhausversorgung in der Region in Zukunft vorstellt.“
Christian Schmitz:
„Voraussetzung für die Erfüllung der Mindestkriterien einer Leistungsgruppe sind neben der Ausstattung einer Klinik, vor allem die Erfüllung bestimmter Fachkräfte-Vorgaben für die jeweiligen Leistungsbereiche. Das heißt, um künftig dasselbe Leitungsspektrum wie bisher anzubieten, ist in deutschen Kliniken künftig grundsätzlich mehr Personal – ärztlich sowie pflegerisch – notwendig. Der generelle Fachkräftemangel ist allen bewusst – und somit müssen Zukunftskonzepte für die Gesundheitsversorgung künftig auch die knapper werdende Ressource Personal berücksichtigen.“
Dr. Ronny Raith:
„In Hinblick auf die Finanzen ist mittlerweile auch klar, was der Bund mit der Krankenhausstruktur bezwecken möchte: Kosten sparen – und das unausgesprochene Ziel ist es, die Anzahl der Krankenhäuser in Deutschland zu reduzieren. Für uns ist es wichtig, dass ländliche Bereiche wie der unsere damit nicht abgehängt werden. Als sogenannte „Sicherstellungszuschlagshäuser“ kommt den Arberlandkliniken jedoch eine besondere Bedeutung zu – sie werden im System besonders gefördert und können nicht ohne weiteres geschlossen werden. Für uns ist das klare Ziel: Die Versorgung zu sichern, nicht sie ohne Not abzubauen.“
Wie läuft der Entscheidungsprozess über die künftige Struktur der Kliniken ab – wer ist beteiligt, und wie werden die Bürgerinnen und Bürger informiert?
Dr. Ronny Raith:
„Für den Landkreis Regen wird aktuell ein Strukturgutachten erstellt, welches die Basis für eine unabhängige Bedarfsanalyse im Landkreis Regen darstellt. Hierbei werden verschiedene Entscheidungsebenen und Akteure mit einbezogen – Kreisräte, der Verwaltungsrat der Arberlandkliniken, die Chefärzte der Kliniken, aber auch Kooperationspartner wie Verantwortliche des Rettungsdienstes oder der Kassenärztlichen Vereinigung.“
Christian Schmitz:
„Das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat klargestellt, dass ein Strukturgutachten notwendig ist, um künftig Fördergelder für größere Investitionsvorhaben zu erhalten. So sind wir als eine der ersten Landkreise in Bayern nun in einem guten Zeitplan, um auch entsprechend früh Fördergelder für künftige Investitionen zu erhalten.“
Dr. Ronny Raith:
„Die Bürgerinnen und Bürger werden fortlaufend über aktuelle Themen aus unserer Kliniklandschaft informiert – und auch deswegen laden wir unsere Bürger:innen ein, sich am Bürgerdialog „Arberlandkliniken 2035“ zu beteiligen. Mitte Oktober erhalten rund 3000 Landkreis Bürger:innen Einladungen, sich an einer Workshopreihe mit insgesamt fünf Terminen zu beteiligen. Ziel ist es, dass sich Bürger:innen aus allen Gemeinden des Landkreises beteiligen und ich möchte Sie ganz herzlich bitten, diese Chance zu nutzen.“
Christian Schmitz:
„In den Terminen erhalten Sie Informationen zu verschiedenen Leistungsbereichen – die Krankenhausstrukturreform, die stationäre und ambulante Versorgung im Landkreis Regen, benötigte Investitionen oder auch einen Überblick über die Personalsituation im Gesundheitswesen. Auf Basis dessen, werden die Interessen, Anliegen, Fragestellungen der Bürger:innen beantwortet und in den Entscheidungsprozess mit eingepflegt. Ziel ist es, hierbei Handlungsempfehlungen gestaffelt für den Kreistag, das Staatsministerium sowie die Bundespolitik herauszuarbeiten.“
Wie wird es damit für unseren Landkreis weiter gehen?
Christian Schmitz:
„Wir kämpfen dafür, dass die Region weiterhin gut versorgt wird. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe — aber wir arbeiten daran, Lösungen zu finden, die medizinische Qualität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit verbinden.“
Dr. Ronny Raith:
„Wir handeln verantwortungsbewusst und mit Blick auf die Menschen im Landkreis. Bitte nutzen Sie die Dialogformate — nur gemeinsam gelingt eine tragfähige Lösung.“